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BYND

Konstantin Arnold

 

PARADIES

Ich war im Paradies. Ich habe es gesehen, geschmeckt, getrunken. Ich habe es gefühlt und bezahlt, benutzt und überwunden. Es war warm und ruhig und weich. Groß und geborgen. Nicht wie ein bebender Busen groß und geborgen, mehr in sich eingerichtet wie mit schweren Möbeln vollgestellte Umarmung, ein mit Erinnerungen tapeziertes Schulterklopfen. Es ist dort und hier und da, nur nicht überall und in der Luft schwebt die Gunst hoher Ahnen. Es kann öffnen und schließen. An guten und an schlechten Tagen. Es ist da, immer für dich da! Ob du vor Einsamkeit flüchtest oder einfach genug hast, von den grellen, heißen Plätzen des Lebens und Schatten suchst im inneren deines Gerichtshofs. Es wärmt dich auf, nimmt dir das Gepäck und die Kälte ab, genauso wie dir das erste, durch knallrote Lippen gesagte Bom Dia, nach einer langen Bom-Dia-losen Zeit, den Winter abnimmt. Willkommen im Paradies. Hitler war auch schon da. Bis der kam, durfte jeder ins Paradies, du konntest sogar dein Pferd mit reinnehmen. Seither müssen Hunde und Wixer draußen bleiben. Moralisten und Männer mit antrainiertem Brustmuskeln. Alle, die gerne leise Radio hören, nicht wählen gehen, graue T-Shirts tragen und von Vanilleeis fickrig werden. Menschen mit Meinungen und Roboter, die das Leben auf Zahlen und Fakten reduzieren wollen. Denn im Paradies lebt man in einer glücklichen Zeit, weil man weiß, dass man in einer glücklichen Zeit lebt. Man sitzt alleine in Gesellschaft. Schmiegt sich an steife Lehnen, die nach einigen Stunden Rückgrat beweisen und atmet die Gunst hoher Ahnen von Polstern, die über Weltkriege hinweg butterweich gefurzt wurden. Auf ihnen vollführen Männer und Frauen seit jeher ein endlos laufendes Schauspiel, den ewigen Gruß ihrer Geschlechter. Eine sich liebende Feindschaft, zwei fremde Welten, die versuchen, sich zwischen Lehen, Polstern und Ahnen so   […]