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BYND

Konstantin Arnold

KLISCHEE

KLISCHEE

Er war lange weg gewesen und immer hatte er an das Dorf und das Mädchen gedacht. Das Dorf war eigentlich kein Dorf gewesen, es waren bloß Häuser, die sich an einer Küstenstraße versammelt hatten, kurz bevor der Fluss zu Meer wird. Viele Boote ankerten hier und wenn die Sonne am späten Nachmittag auf die Boote schien, hielten die Touristen mit ihren Autos an und knallten einander auf die Stoßstangen und fotografierten sich und die Boote und ihre Stoßstangen. Es war ein Ort, den man schon oft vom Meer und von der Straße aus gesehen hatte. Mehr nicht. Keine Sehenswürdigkeiten, nichts zum Durchfahren. Nur ein Fluss, der sich sehr nah an die Straße wagte und dazwischen lagen Gleise im Sand, über die ein Zug fuhr, der für die paar Häuser aber keinen Halt machte. Hinter den Häusern zog sich ein Park den Hang hinauf und in der Mitte des Parks war kein See. Es standen viele Büsten verstorbener Schriftsteller in dem Park und ihre Zitate waren in die Gassen eingelassen. Manchmal roch es nach Rasen. Am liebsten hatte er den Park, wenn sich der Himmel am Abend nach einem Regentag lichtete. Dann waren die Gassen leer und er konnte die Zitate lesen, während die schwere Sonne hinter den leuchtenden Hügeln ganz für ihn alleine ins Meer fiel. Manchmal liefen Paare mit ihren Hunden über sie hinweg, liefen so vor sich hin und schwiegen oder knutschten oder fotografierten sich knutschend, während ihr Hund im letzten Licht des Tages auf eine frisch gemähte Wiese kackte. Es waren Szenen unter der sorglosen Ewigkeit einer südlichen Sonne. Er saß dann ganz oben und dachte an das Mädchen und schaute über kackende Hunde und den Park bis zur Straße hinunter. Die Atome tanzten im Licht und der Wind atmete warme Ferne. Ganz unten, hinter glühenden Gleisen, lag still der Ozean. Menschleeres Blau. Während er […]